Unterwegs mit Ihm, der der Weg ist
- Paula Leitner

- 30. Juni
- 8 Min. Lesezeit

Wie ihr wisst, verbringe ich mein Leben auf die eine oder andere Weise unterwegs. Ja, ich erlebe auch die Wahrheit des Bibelverses, der besagt, dass jeder, der um Seines Namens willen Häuser
verlässt, das Hundertfache empfangen wird (Mt 19,29). Aber gleichzeitig bin ich immer unterwegs. Und das ist etwas Wunderbares! Ist euch bewusst, dass Jeschua niemals von sich selbst gesagt hat, dass er das Ziel sei? Aber er hat von sich selbst gesagt, dass er der Weg ist; daher ist es gut, auf dem Weg zu sein, unterwegs zu sein. Das bringt mich dazu, wie wichtig es ist, zu lernen, in der Gegenwart zu leben. Ich habe in den letzten Jahren erkannt, dass mein Ziel, von all den Schmerzen und Wunden des Lebens geheilt zu werden, an sich nichts Schlechtes ist. Aber damit verband ich die Erwartung, dass ich, sobald ich geheilt wäre, „vollkommen“ wäre. Selbst wenn ich vollständig geheilt wäre, habe ich erkannt, dass ich dennoch hinter der Herrlichkeit, Heiligkeit und Vollkommenheit Gottes zurückbleiben würde. Außerdem könnte ich denken, dass ich schon weiter geheilt sein sollte, aber für Gott ist meine Gebrochenheit kein Hindernis, sonst hätte Er sie bereits verändert. Deshalb brauche ich eine andere Perspektive. Diese Perspektive wurde mir durch IFnT vermittelt, kurz für Insight Focused neuro Therapy, einen integrativen Ansatz für Heilung und persönliches Wachstum. In der IFnT werden Neurowissenschaften, Psychologie und biblische Wahrheiten miteinander verbunden, um neue Perspektiven und Raum zum Atmen zu schaffen. Ich habe diesen Kurs vor über einem Jahr begonnen, und auch wenn ich erst jetzt darüber schreibe, habe ich bereits sehr davon profitiert. Bevor ich euch heute über meine physischen Streifzüge auf dem Laufenden halte, möchte ich euch einen Grundsatz näherbringen.
Emergent living
Wenn man den Begriff „Emergent Living“ in andere Sprachen übersetzt, erhält man Beschreibungen wie: Leben im Hier und Jetzt, Leben ohne Vorhänge (im Sinne von „Vorhänge wegnehmen“), sich entfaltendes Leben, aufkeimendes Leben und blühendes Leben. Die Idee dahinter ist: Wenn wir mit einem Punkt am Horizont als Ziel leben, richtet sich alles darauf aus, und unser Weg wird immer schmaler, um diesen Punkt erreichen zu können. Das sieht so aus: ↗ ↖ Wenn wir jedoch aus dem Hier und Jetzt heraus leben, das annehmen, was unser Leben in diesem Moment ausmacht, und von diesem Punkt aus auf die Welt und das Leben blicken, starten wir zwar von einem festen Punkt aus, haben aber vor uns ein weites Spektrum an Möglichkeiten. Und es sieht dann so aus: ↖↗ Bei dieser Art von leben gibt es immer mehr Raum zum Atmen und zum Sein, während bei dem Punkt am Horizont die Dinge immer eingeschränkter werden. Ich denke, wir können diese beiden unterschiedlichen Lebensweisen in den Personen von Martha und Maria erkennen, wie sie im Lukasevangelium, Kapitel 10, dargestellt werden. Hier haben wir Martha, die mit einem festen Punkt am Horizont handelt: die beste Gastgeberin für Jeschua zu sein, damit für ihn bestens gesorgt ist und es ihm an nichts fehlt. Maria sitzt zu Füßen von Jeschua und genießt das Hier und Jetzt mit ihm. Ich glaube, wir alle erkennen, wer in dieser Geschichte der glücklichere Mensch von beiden ist, und Jeschua bestätigt dies, indem er sagt, dass Maria das Bessere gewählt hat und es ihr nicht genommen werden wird. So lerne ich, mein Leben im Hier und Jetzt zu leben und mich und mein Leben so anzunehmen, wie wir jetzt sind – mit all seinen Höhen und Tiefen. Und einfach einen Schritt nach dem anderen zu gehen, einen Schritt auf dem Weg, der Jeschua ist, denn Er ist in meinem Hier und Jetzt gegenwärtig. Er ist da, wenn der Weg steinig ist, und wenn der Weg eben ist. Er ist hier und geht mit mir, mit uns. Er ist der, der war, der ist und der kommen wird, der große ICH BIN, voll und ganz im Jetzt gegenwärtig.
Noch ein Gedanke dazu, einen Punkt am Horizont zu haben: In dem Moment, in dem man sich auf diesen Punkt zubewegt, rückt der Horizont weiter in die Ferne. In diesem Leben werden wir den Horizont niemals erreichen (vielleicht sieht es anders aus, wenn wir in der Realität eines neuen Himmels und einer neuen Erde leben werden… 😉), denn er wird sich immer weiter von dir entfernen. Dieser projizierte Punkt am Horizont ist unerreichbar! Ich bete darum, dass auch ihr Jeschua in euerem Hier und Jetzt begegnen möget, dass sein Licht in der Schönheit und in den Schwierigkeiten eueres momentanen Lebens leuchtet und ihr von dort aus den Weg gehet! Als Übung lade ich euch ein, einen Moment innezuhalten und euere Umgebung wahrzunehmen: Was seht ihr? Was hört ihr? Was fühlt Ihr? Ich sitze draußen im Schatten, mit Blick auf die Wüste. Ich höre Vögel zwitschern und singen. Ich spüre den Wind auf meiner Haut. Nicht alles ist schön. Ich höre auch Busse vorbeifahren und schwere Maschinen, die im neuen Viertel in der Wüste arbeiten. Ich nehme diese Dinge wahr, halte mich aber nicht damit auf. Sie sind einfach da. Ich tauche tiefer in das Gefühl des Windes auf meiner Haut ein. Wie ist das für mich? Es ist angenehm, zart und fühlt sich an wie ein Streicheln Gottes. Und wie ist das für mich? Es fühlt sich an, als würde ich ein wenig schmelzen, als würde die Härte meines Leistungsdrucks ein wenig nachlassen. Und wie ist das für mich? Es ist befreiend, wie wenn ich eine Last abschütteln könnte, die schon viel zu lange an mir haftet. Und ich darf einfach sein, einfach nur sein und genießen. Und hier halte ich für einen Moment beim Schreiben inne und genieße einfach. Was sagt Gott mir damit? Ich darf und bin eingeladen, mich frei zu bewegen, ohne den Zwang, etwas leisten zu müssen, ohne dass jede Bewegung einen Zweck haben und effektiv, effizient und optimal sein muss. Einfach ich selbst zu sein, reicht aus; dass ich atme, fühle, höre und sehe, erfüllt Gottes Plan für mich.
Unerwartete Reiseroute
Nach meiner Zeit in Spanien und Portugal hatte ich also vor, nach Israel zu reisen. Obwohl Israel mitten im Krieg mit dem Iran stand, spürte ich, wie Gott mir sagte, ich solle dorthin gehen, und dass Er mit mir gehen würde. Also gehorchte ich (mit Freude, denn ich freue mich immer, nach Israel zu reisen) und begab mich zum Flughafen, um mein Flugzeug nach Israel zu nehmen. Doch sie erhielten von Israel keine Erlaubnis, mich an Bord zu lassen (und mit mir viele andere Ausländer, wegen des Krieges). Hatte ich also nicht richtig von Gott gehört? Das mag sein, aber ich handelte nach meinem Gewissen, nach dem, was ich glaubte, dass Er von mir verlangte. Und vielleicht war das einfach eine Art, mir Gehorsam beizubringen. Und was auch immer es war – Er war immer noch bei mir, kümmerte sich um mich und sorgte für mich, denn innerhalb einer halben Stunde, nachdem ich erfahren hatte, dass ich nicht mit dem Flugzeug nach Israel fliegen durfte, hatte ich ein Ticket für einen Flug ein paar Stunden später nach Eindhoven, meiner Stadt in den Niederlanden, was mir die Möglichkeit gab, Ostern mit meiner Familie und meiner Gemeinschaft in den Niederlanden zu feiern. Ich blieb drei Wochen in den Niederlanden. Es war eine Zeit der Erholung, Zeit mit Freunden und Familie, aber auch Zeit, um einige praktische und medizinische Dinge zu regeln. Die Zeit war also viel zu kurz, aber ich freute mich auf meinen nächsten Schritt: eine Fürbitte-Woche in Österreich. Zusammen mit Fürbitter aus ganz Europa und den Vereinigten Staaten versammelten wir uns in Hainburg im Haus von Vater Peter Hocken. Diese Gruppe von Fürbitter wurde von Vater Peter gegründet und trug die geistlichen Lasten, die Vater Peter trug; daher fühlte ich mich wie ein Fisch im Wasser. Es war eine wunderschöne und bereichernde Zeit miteinander. Von dort reiste ich nach Polen, um etwa einen Monat bei der „Quelle der Tränen“ in Brzezinka zu verbringen.
Bei der „Quelle der Tränen“
Die „Quelle der Tränen“ in Polen befindet sich so etwa 300 Meter vom Eingangstor des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau entfernt. Ich war nun zum zweiten Mal als Fürbitter dort und empfing Besucher. Um mehr über meinen ersten Besuch zu erfahren, klicken Sie hier. Während ich im Winter durchschnittlich einen Besuch pro Woche hatte, waren es nun durchschnittlich ein Besuch pro Tag! Meistens waren es Leute, die zufällig vorbeikamen und neugierig genug waren, um einen Moment anzuhalten und die Quelle zu besuchen. Ich hatte Besucher aus vielen verschiedenen Ländern: Polen, Frankreich, Kanada, Portugal, Schweden, einen Russen aus Estland und Russen aus Russland, Ukraine, Schweiz, Deutschland, Australien, Belgien, Italien, zwei Ugander aus den USA sowie zwei Amerikaner mit Amish-Hintergrund, Leute aus Großbritannien und der Tschechischen Republik. Die meisten Besucher waren junge Männer in ihren Zwanzigern und Dreißigern, die allein oder mit ein oder zwei Anderen unterwegs waren. Es war erstaunlich zu sehen, wie diese jungen Männer, die größtenteils ohne Gott oder Religion aufgewachsen sind, jedes Wort, das ich sagte, wirklich eindrunken, während ich über Gebet, Jeschua, die Kreuzigung und Gott sprach. Da sie ohne Religion aufgewachsen sind, wissen sie zwar nichts darüber, aber sie haben auch nicht die typische Abweisendheit und Zurückhaltung derer, die zwar mit Religion aufgewachsen sind, diese aber abgelehnt haben. Das habe ich bei Besuchern in den Fünfzigern und älter erlebt. Aber alles in allem waren die Begegnungen sehr reich, und ich fühle mich so privilegiert, dass ich wieder einige Zeit dort verbringen durfte! Auch die Zeit, die ich mit anderen Gläubigen in Brzezinka und in Krakau verbracht habe, war kostbar. Dies ist ein weiterer Ort, den ich mein Zuhause nennen kann 😊.
Now Generation
Von hier aus reiste ich mit Asia nach Herrnhut in Deutschland zum Now-Generation-Treffen, den jüngeren Leuten von TJCII. Diesmal war es eher ein Treffen für alle Generationen, aber Gott hatte seinen Plan damit. Unser Thema in diesem Jahr war 1. Mose 26,15–22. Es beginnt damit, dass Isaak die Brunnen wieder freilegt, die sein Vater gegraben hatte und die von den Philistern zugeschüttet worden waren. Bei meiner Vorbereitung war dies der Teil, der mich besonders angesprochen hat, denn genau damit hat Gott sich in den letzten Jahren in meinem eigenen Leben beschäftigt. Über die Brunnen heißt es, dass die Philister sie mit Erde (oder Sand oder Schmutz) zugeschüttet hatten. Da ich die israelische Wüste kenne, bin ich mir ziemlich sicher, dass es eine Mischung aus Sand und Steinen gewesen sein muss, denn hier gibt es nicht so viel Sand/Erde 😉. Und wenn wir uns die Steine ansehen, glaube ich, dass es Steine des Anstoßes sind. Was sind diese Steine des Anstoßes? Wir können Anstoß nehmen an Gott, an unsere Brüder und Schwestern, oder es kann eine Kombination aus beidem sein. In meinem eigenen Leben war die erste Anstoß, die Gott angesprochen hat, die Anstoß Ihn gegenüber. Ich hatte nicht nur die Frage: „Warum, Gott?“, sondern in mir steckte sogar ein „Wie kannst du es erlauben, Gott!“. In einem Prozess schenkte Er mir die Gnade, die Anstoß an Ihn abzugeben. Ich habe gelernt, dass das Loslassen unsere Anstoß (die sich gegen Gott, aber auch gegen Brüder und Schwestern richten können) den Weg für eine neue Intimität und den freien Fluss des Geistes zwischen uns ebnet. In einer Zeit des Gebets und der Fürbitte während unseres Aufenthalts in Herrnhut taten wir Buße für die empfundene Anstoß. Schon allein der Aufenthalt in Herrnhut war ein Segen, alte Brunnen zu berühren. Die Geschichte dieses Ortes als Zufluchtsort für Christen verschiedener Konfessionen und einiger mit jüdischem Hintergrund, die dort lernten, in Einheit zusammenzuleben, ist es wert, entdeckt zu werden.
Auf unserem Tagesausflug nach Dresden, wo wir eine messianische Gemeinde besuchten und eine Führung durch einen lutherischen Pastor erhielten, der mit TJCII verbunden ist, passierte etwas Lustiges. Während unserer Reise von Polen nach Herrnhut hatten Asia und ich Kontakt zu einem britischen Ehepaar aufgenommen, das in dieselbe Richtung reiste. Wir unterhielten uns kurz mit ihnen und erzählten ihnen auch vom Zweck unseres Besuchs. Sie hatten nicht viel darauf geantwortet, aber es war eine nette Begegnung. Als wir dann in Dresden bei unserer Führung waren, sah ich sie vorbeigehen! Ich ging hinüber, um sie zu begrüßen, und wir hatten eine wundervolle Begegnung; sie begleiteten uns ein Stück auf unserer Tour, was uns die Gelegenheit gab, uns noch etwas länger zu unterhalten. Es stellte sich heraus, dass sie gerne noch etwas mehr über die Themen gesprochen hätten, über die Asia und ich gesprochen hatten, aber dazu war es nicht gekommen, da wir den Zug früher verlassen hatten als sie. Aber Gott hat auf diese Weise dafür gesorgt, und wir haben uns als Freunde verabschiedet!
Vom „Now Generation“-Treffen reiste ich zu einer lieben Freundin nach Darmstadt und verbrachte zwei wunderschöne Tage mit ihr und ihrer Familie, bevor ich nach Israel weiterreiste. Dort bin ich jetzt und kümmere mich um die „Quelle der Tränen“. Ich werde bis Anfang August hier bleiben und dann nach Frankreich reisen, um an der „Messianische Hoffnung“-Konferenz in Gagnières teilzunehmen.
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