Die Inquisition berühren, Teil 2
- Paula Leitner

- 21. Juni
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 22. Juni

Jetzt nehme ich euch mit auf meine Reise durch Spanien. Zunächst einmal etwas Wichtiges, bevor ich beginne: Physisch habe ich diese Reise zwar allein unternommen, aber ich wurde im Gebet von einer Gruppe von 16 Fürbittern unterstützt, ohne die ich diese Reise niemals hätte machen können!!! Ich könnte ein ganzes Buch über alles schreiben, was ich in diesen zweieinhalb Wochen erlebt habe, daher muss ich sorgfältig auswählen, was ich mit euch teilen möchte. Lasst mich zunächst etwas über die Reiseroute erzählen. Ich bin in Barcelona begonnen, ganz einfach, weil das die erste Stadt in Spanien ist, wenn man aus Frankreich anreist, und weil sie schon seit Jahren auf meiner Wunschliste stand (wegen der Kunst von Gaudí). Außerdem wusste ich, dass ich nach Tortosa und in die Stadt León fahren würde, wegen der Verbindung, die diese Orte zum niederländischen Papst haben. Aber es kamen noch drei weitere Städte zu meinem Reiseplan hinzu: Valladolid, Segovia und Mérida. Ich werde versuchen, aus jeder Stadt etwas Wichtiges zu erzählen, das dort passiert ist oder das ich entdeckt habe. Aber zuerst: Was habe ich eigentlich gemacht?
Eines der wichtigsten Dinge, die ich tun musste, war, das Land zu Fuß zu durchqueren, den Boden buchstäblich mit meinen Füßen zu berühren und für die Heilung des Landes zu beten (und ja, zwischen den Städten nutzte ich schnellere Fortbewegungsmittel als meine Füße 😊). Anschließend betete ich und habe Buße getan an Orten, die für die jüdische Geschichte und die Geschichte der Verfolgung der Juden von Bedeutung sind. Wenn ich keine konkreten Informationen darüber finden konnte, wo bestimmte Ereignisse stattfanden, suchte ich die wichtigste Kirche und den wichtigsten Platz aus dem Mittelalter sowie Orte auf, die mit dem Dominikanerorden in Verbindung standen. Ich verkündete Bibelverse, sang Lobpreislieder, Lieder und Psalmen auf Hebräisch sowie Teile der jüdischen Liturgie, insbesondere an Orten, an denen ich spürte, dass die jüdische Ausdrucksform wiederhergestellt werden sollte. Ein weiterer wichtiger Aspekt war das Stellen von Fragen. Ja, ich wollte Informationen sammeln, aber es war vor allem eine Möglichkeit, das Thema anzusprechen, die Menschen zum Nachdenken anzuregen und sie dazu zu bewegen, das Thema anzusprechen. Es war auch eine Möglichkeit, auszuloten, ob die Menschen offen oder eher verschlossen waren. Und an den beiden Freitagen, an denen ich in Spanien war, habe ich bewusst den Schabbat gefeiert, wobei ich versucht habe, dies an einem bedeutungsvollen Ort zu tun, auch als einen Akt der Wiederherstellung.
Barcelona
In Barcelona wurde die jüdische Gemeinde während des Massakers von 1391 fast vollständig ausgelöscht. Der wichtigste Ort, an dem das Massaker stattfand, war das Castello Nuevo, eine Burg, die vollständig von der Landkarte Barcelonas verschwunden ist; selbst die Mitarbeiter der Touristeninformation hatten keine Ahnung, dass sie jemals existiert hatte, und verwiesen mich auf eine andere Burg in Barcelona, die beim Massaker von 1391 keine Rolle spielte. Schließlich konnte ich den Ort in einem kleinen Museum zur jüdischen Geschichte ausfindig machen und umrundete mehrmals betend den Häuserblock, der heute darüber errichtet wurde. Ich hatte auch eine wundervolle Begegnung in der ehemaligen Synagoge, die 1996 wiederentdeckt wurde. Hier traf ich eine christliche Frau aus Mexiko, mit der ich darüber sprechen konnte, wie viele Menschen in Lateinamerika jüdische Vorfahren haben und wie Gott dies in unserer Zeit wiederherstellt. Sie wusste nichts von jüdischen Vorfahren in ihrer Familie, aber ich habe sie dazu ermutigt, den Herrn danach zu fragen. Dann kamen einige Amerikaner herein, und ich erkannte, dass sie jüdisch waren. Ich ging auf sie zu und erzählte ihnen, dass ich eine Christin bin, die Israel liebt; ich berichtete ihnen vom Ziel meiner Reise und fragte, ob wir gemeinsam „Oseh Shalom“ (Der, der Frieden stiftet, ein berühmtes jüdisches Friedensgebet) singen könnten. Die erste Reaktion war Erstaunen: Kannte ich dieses Lied? Wie war das möglich? Und dann, zu meinem Wunsch nach Buße: Das war nicht meine Schuld, also auch nicht meine Verantwortung. Als ich sagte, dass ich sehe, dass diese Geschichte noch immer Heilung braucht, war die Reaktion zustimmend. Und als ich sagte, dass ich glaube, dass Buße Heilung bringt, war die Reaktion ebenfalls zustimmend. Schließlich sangen wir gemeinsam „Oseh Shalom“, und es war ein Moment, der ganz von Gott erfüllt war.
Tortosa
Tortosa hat eine wunderschöne Tourismus-Website, und die Art und Weise, wie dort das alte jüdische Viertel (die Judaría) präsentiert wurde, vermittelte mir einen sehr idyllischen Eindruck von diesem Ort. Ich hatte daher gehofft, den Schabbat in der Jerusalemer Straße in der Judaría feiern zu können. Ich war zutiefst enttäuscht, als ich feststellte, dass das gesamte Viertel der Judaría alt und verfallen ist und dass die Atmosphäre dort etwas feindselig ist. Das Schöne daran ist, dass Abba mir Worte der Auferstehung und der Heilung gab, um zu beten – sowohl in Worten als auch in Bewegung (Tanz). Ich hatte dort eine wundervolle Zeit mit dem Herrn. Und schließlich habe ich mein Schabbatmahl auf dem Platz vor dem Rathaus gegessen. Das war eine besondere Kulisse ganz anderer Art, denn auf dem Balkon des Rathauses wehte eine große palästinensische Flagge 😉.
Valladolid
Ich fuhr nach Valladolid, um einen Freund eines Freundes zu treffen. Doch als ich mich mit der Geschichte dieses Ortes beschäftigte, wurde mir bewusst, wie Gott diese Begegnung genutzt hatte, um mich hierher zu führen. Denn gerade in Valladolid heirateten die katholischen Könige Fernando und Isabella – die die spanische Inquisition ins Leben riefen – und erlangten so die Macht über das damalige Spanien. Ich durfte an dem Ort beten, an dem sie geheiratet hatten, und habe auch alle anderen Stätten besucht, die mit der Inquisition und der jüdischen Geschichte in Verbindung stehen. In einem der Tourismusbüros hatte ich ein interessantes Gespräch mit zwei Damen, die dort arbeiteten. Es stellte sich heraus, dass in der Familie der einen sieben von acht Nachnamen jüdischen Ursprungs sind und in der Familie der anderen drei oder vier. Beide waren sich einig, dass in der spanischen Gesellschaft ein enormer Mangel an Wissen über die Geschichte der Inquisition herrscht und dass die wenigen erhaltenen Informationen (da vieles verloren gegangen ist) nicht „ans Licht gebracht“ werden. Am Ende unseres Gesprächs lud ich beide ein, Gott nach ihrer jüdischen Herkunft zu fragen, da ich sehe, wie wichtig dies für Ihn ist. Und am letzten Abend in Valladolid erfuhr ich „zufällig“, dass der erste Großinquisitor, Tomás de Tourquemada, in oder um Valladolid geboren wurde, dort aufwuchs und dort in das Dominikanerkloster eintrat. Er war auch einer der persönlichen Beichtväter von Königin Isabella und gehörte zu denen, die sie auf die Idee brachten, die Juden zu vertreiben. Später wurde er Prior des Klosters in Segovia, wo er das Handbuch für die Inquisition verfasste. Ich hatte ohnehin vor, nach Segovia zu fahren, aber die Bedeutung dieses Besuchs wurde nun bestätigt!
Segovia
In Segovia ist die jüdische Geschichte gut erhalten und dokumentiert, und ich besuchte alle wichtigen Orte und betete dort. Über die Geschichte der Inquisition gab es nur sehr wenige Informationen. Aber ich bin zum ehemalige Dominikanerkloster hingegangen. Die Kirche des Klosters hat einen wunderschönen Eingang, der zur Zeit von Torquemada hinzugefügt wurde, und man nimmt an, dass dieser mit Geld der jüdischen Opfer der Inquisition finanziert wurde. Das Kloster dient heute als Universität und ist nur sonntags für Besucher geöffnet. Also ging ich betend um das Gelände herum. Auf eines der Gebäude in der Nähe des ehemaligen Klosters war eine Kombination aus einem Hakenkreuz und einem Dominikanerkreuz gesprüht worden! Auf dem Rückweg in die Stadt kreuzten sich meine Wege mit denen einer jungen Frau, und ich sah, dass sie einen Anhänger mit der Landkarte Israels um den Hals trug. Ich reagierte darauf, woraufhin sie stehen blieb. Ich begann das Gespräch, indem ich auf ihren Anhänger zeigte und sie fragte, ob sie Israelin sei. Nein, sie war Palästinenserin. Ich sagte ihr aus tiefstem Herzen, dass es mir so leid tut, was mit ihrem Volk geschieht (denn egal, welcher Darstellung man glaubt: Das palästinensische Volk leidet enorm und ist nicht frei!). Letztendlich hatten wir ein wunderbares Gespräch. Sie war eine orthodoxe Christin, die eine Freundin in Segovia besuchte. Am Ende haben wir uns umarmt.
Léon
Mein Besuch in der Stadt León war geprägt von spirituellen Gegensätzen. Einerseits habe ich dort eine wundervolle Zeit verbracht, während ich den Schabbat feierte. Andererseits spürte ich nicht nur Schweigen rund um die Geschichte der Inquisition, sondern auch Geheimhaltung und das Gefühl, gegen eine Mauer zu stoßen. Auch in León gab zum ersten Mal seit zwei Wochen jemand zu, dass es keine weiteren Informationen über die Inquisition gebe, weil: „Wir wollen nichts über diese Geschichte wissen, genauso wenig wie über die Geschichte Francos“. Ich überlegte, von León aus nach Portugal zu reisen und dort ein paar Tage zu beten, bevor ich am 31. März nach Lissabon zum nationalen Gedenktag für die Opfer der Inquisition fahren würde. Aber es gab keine guten Reisemöglichkeiten. Also beschloss ich, Spanien noch nicht zu verlassen und weiter nach Süden zu reisen, um von dort aus direkt nach Lissabon zu fahren. Schließlich bin ich nach Mérida gefahren.
Mérida
Und wieder schien es völlig willkürlich, nach Mérida zu reisen, genau wie es bei Valladolid der Fall gewesen war. Doch nachdem ich mich einmal für Mérida entschieden hatte, vertiefte ich mich auch in die Geschichte dieser Stadt. Es stellte sich heraus, dass in Mérida der erste archäologische Beweis für eine jüdische Präsenz auf der Iberischen Halbinsel gefunden worden war: ein Grabstein aus dem zweiten Jahrhundert, der einem jüdischen Mädchen gehörte. Es fühlte sich an, als würde ich die Wurzeln berühren! In Mérida habe ich mir diesen Grabstein angesehen. Er befindet sich in einem großen Museum für römische Kunst, und ich brauchte einen Museumsführer, um ihn zu finden. Ich sprach mit dem Führer über den Zweck meines Besuchs, und er zeigte Interesse. Er kam mit einem anderen Führer ins Gespräch über die jüdische Geschichte der Stadt, und sie waren sich einig, dass es dazu mehr Informationen geben sollte. Sie konnten mir den Weg zum Platz rund um den Diana-Tempel weisen, wo zur Zeit der Vertreibung und zu Beginn der Inquisition eine Synagoge durch eine Kirche ersetzt worden war. Also bin ich auch dorthin gegangen (es lag „zufällig“ ganz in der Nähe meines Hotels…) und konnte dort vor Ort beten. Ohne diese beiden Stadtführer hätte ich es niemals gefunden, denn außer einer Informationstafel vor Ort gab es keine weiteren Informationen.
Mit diesen beiden Nächten in Mérida fand mein Aufenthalt in Spanien vorerst ein Ende. Ich habe jedoch das Gefühl, dass dieses Land noch viel mehr Heilung braucht, und viel mehr Gebet, Buße und berühren der Geschichte der Inquisition. Ich werde euch auf dem Laufenden halten, wie es für mich weitergeht. Ich habe meine Reise nach Portugal fortgesetzt und konnte an dem sehr bedeutungsvollen Gedenkmarsch teilnehmen, den meine Freunde anlässlich des nationalen Gedenktags für die Opfer der Inquisition organisiert hatten. Und dank einiger kurzfristiger Änderungen in meinem Zeitplan konnte ich auch am Seder, dem traditionellen Festmahl am ersten Abend von Pessach, in der messianischen Gemeinde in Lissabon teilnehmen. Was für ein wunderschöner und hoffnungsvoller Abschluss meiner Zeit auf der Iberischen Halbinsel.
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