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Die Inquisition berühren, Teil 1


Wie versprochen werde ich meine Erfahrungen in Spanien mit euch teilen. Da es jedoch eine so intensive Zeit war und ich einige Hintergrundinformationen liefern muss, habe ich beschlossen, dies auf zwei Blogbeiträge aufzuteilen. In diesem ersten Blogbeitrag erzähle ich von meinem persönlichen Umgang mit diesem Thema und gebe einige Informationen über die Inquisition als Institution. Im nächsten Blogbeitrag werde ich dann über die Reise selbst berichten.


Also, die Inquisition, genauer gesagt die spanische Inquisition – worum geht es in dieser Geschichte? Wenn man an die Inquisition denkt und aus Westeuropa stammt, denkt man an die katholische Institution, die sich vor allem mit Ketzern und Hexen befasste. Und das trifft auf den größten Teil Europas zu. Aber in Spanien und von dort aus in Portugal und der Neuen Welt (Lateinamerika) war die Inquisition eine Institution, die sich für die Reinheit des katholischen Glaubens einsetzte. Dies spielte sich im Spanien der Reconquista ab, zurückerobert von der muslimischen Herrschaft. Spanien wollte ein rein katholisches Land werden. Für die in Spanien lebenden Juden und Muslime bedeutete dies großen sozialen und religiösen Druck, zu konvertieren, aber auch physische Gewalt (Pogrome). Unter diesem Druck konvertierten viele Menschen. Diese Neubekehrten (vor allem Juden) wurden Conversos genannt. Nach außen hin bekannten sie sich zum katholischen Glauben, doch zu Hause hielten sie oft an ihren jüdischen Bräuchen fest, sei es aus Überzeugung oder weil sie kein Problem darin sahen, diese neben ihrem katholischen Glauben weiter auszuüben. Im Jahr 1492 unterzeichneten Isabella und Ferdinand, die katholischen Könige, das Alhambra-Dekret, einen Ausweisungsbefehl für alle Juden (und die wenigen verbliebenen Muslime), die noch in Spanien lebten: Innerhalb von vier Monaten mussten sie konvertieren oder Spanien verlassen. Wenn man ging, musste man seinen gesamten Besitz zurücklassen. Für die Neugetauften (unabhängig davon, ob dies aus freiem Willen geschah oder nicht) galten die Regeln der katholischen Kirche. Bereits seit dem Zweiten Konzil von Nicäa im Jahr 787 war es Christen unter Androhung der Exkommunikation verboten, jüdische Bräuche zu pflegen. Bei der spanischen Inquisition begann deine Strafe mit Haft, großem psychischen Druck und möglicherweise Folter sowie Urteilen, die von einem Leben in Armut – da all dein Hab und Gut beschlagnahmt worden war – bis hin zum Tod durch Verbrennung auf dem Scheiterhaufen reichten. Die spanische Inquisition war etwa drei Jahrhunderte lang tätig, und während dieser ganzen Zeit lebten die Familien dieser Conversos in Angst vor Anklagen. Für das jüdische Volk ist dies eines der schmerzlichen Kapitel seiner Geschichte, zusammen mit den Kreuzzügen, den Pogromen in Osteuropa und dem Holocaust. Nachkommen dieser jüdischen Menschen können noch immer mit Angst, Einsamkeit, Verachtung und einem Gefühl der Leere konfrontiert sein, da sie wussten, dass sie sowohl von der jüdischen Kultur als auch von der nichtjüdischen Gesellschaft ausgeschlossen waren (da sie nie als vollwertige Mitglieder der katholischen Gesellschaft akzeptiert wurden).


Die Geschichte der Inquisition steht seit Beginn an im Fokus von TJCII, ebenso wie die Notwendigkeit von Heilung dieser Wunden. Vor diesem Hintergrund wurden mehrere Gebetsreisen nach Spanien organisiert, und 2018 fand eine vorbereitende Gebetsreise nach Portugal statt. Ich nahm an der Reise nach Portugal teil, und wir lernten viel über die Inquisition und darüber, dass wir fehlen als Leib des Messias mit dieser Geschichte um zu gehen. Als im Mai 2021 ein virtueller TJCII-Gipfel in Südamerika organisiert wurde, beteten wir gemeinsam mit unseren niederländischen Fürbittern dafür. Während des Gebets spürte ich die Tiefe und Schwere der Wunde, die die katholische Kirche durch die Inquisition in Südamerika angerichtet hatte. Ich verstand, dass wir unsere protestantischen und evangelikalen Brüder und Schwestern brauchen würden, um unsere Arme im Gebet emporzuhalten und uns zu helfen, diese Wunde anzugehen. Dies war für mich der Beginn einer Reise, auf der ich gemeinsam mit unserer TJCII-Fürbitterin in Argentinien wandelte, wobei Gott mich immer mehr mit Südamerika verband und mir eine wachsende Last für die Geschichte der Inquisition auflegte. Deshalb begann ich auch, Spanisch zu lernen. Und dieses Jahr sah ich die Gelegenheit, von Frankreich aus durch Spanien nach Portugal zu reisen und etwas Zeit in Spanien zu verbringen. Es war mir wichtig, die Geschichte der Inquisition an dem Ort zu berühren, an dem alles begann.


Im vergangenen Jahr habe ich außerdem herausgefunden, dass der einzige niederländische Papst, den wir in der Geschichte hatten, Papst Adrian VI., in den Jahren vor seiner Wahl zum Papst Bischof von Tortosa und Großinquisitor war. Ich hatte keine Ahnung, dass es eine Verbindung zu den Niederlanden gab, aber das verlieh meiner Fürbitte noch mehr Autorität! Also auf nach Spanien, vamos!


  • Veranstaltungsort der Disputation von Tortosa
  • Synagogue die zur Kirche gemacht würde
  • Der letzte Straßenname im jüdischen Viertel von Tortosa
  • Spurensuche im jüdischen Viertel von Barcelona

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